Torres del Paine, Chile
hiking, glaciers, wildlife, big skies
Puerto Natales
Schnee
Heute passiert wenig außer Fahren und Vorbereiten. Der Transfer von Punta Arenas braucht rund drei Stunden über offene Pampa, also mach es dir bequem und schau aus dem Fenster. Guanakos stehen fast immer irgendwo am Zaun, mit Glück auch ein Darwin-Nandu. In Puerto Natales bleibt der Nachmittag frei bis 15 Uhr, dann läuft bei Erratic Rock der kostenlose Trekking-Vortrag. Er ist inzwischen die inoffizielle Einweisung für alle, die in die Torres del Paine wollen. Es geht um Wegzustand, Wasserstellen und darum, wie die Reservierungen in den Camps tatsächlich kontrolliert werden. Das ist mehr wert als jeder Reiseführer, weil sich die Lage im Park von Woche zu Woche ändert. Nebenan kannst du fehlende Ausrüstung leihen. Zum Schluss ein Gang über die Costanera, wenn das Licht über dem Wasser flach wird, danach das Hotel Costaustralis. Morgen früh geht der Bus nach Pudeto und weiter mit dem Katamaran, heute Abend geht es also nur noch ums Packen und Schlafen.
Sobald du aus dem Bus steigst, ist alles zu Fuß machbar. Von Erratic Rock zur Costanera sind es etwa vier Minuten, von dort zum Hotel noch einmal knapp fünfzehn. Ein Taxi brauchst du an diesem Tag nicht. Die Sonne geht Ende August gegen 19 Uhr unter, plane den Spaziergang am Wasser also in die Stunde davor.
Puerto Natales lebt vom Trekking. Ausrüstungsverleih und viele Küchen richten sich nach den Busabfahrten und nach dem Vortrag um drei. Karte wird fast überall genommen, kleine Kioske und manche Verleiher wollen trotzdem Bargeld in chilenischen Pesos. Am Nordende der Costanera steht eine Milodón-Skulptur, ein kleiner Vorgeschmack auf die echte Cueva del Milodón, die am letzten Tag auf dem Weg aus der Region liegt.
Bus from Punta Arenas
Die Straßenverbindung zwischen Punta Arenas und Puerto Natales, gut 250 Kilometer über die Ruta 9 durch offene Steppe.
Erratic Rock 3 p.m. trek talk
Ein Hostel in Puerto Natales, das seit vielen Jahren täglich einen kostenlosen Vortrag über das Trekking in den Torres del Paine hält.
Costanera boardwalk, Seno Ultima Esperanza
Die Uferpromenade von Puerto Natales am Seno Última Esperanza, einem Fjordarm, der bis zu den Gletschern des Inlandeises reicht.
Hotel Costaustralis
Ein größeres Hotel direkt an der Uferpromenade von Puerto Natales, mit Blick über den Seno Última Esperanza.
Glaciar Grey
Schnee
Der Wecker klingelt früh. Der Bus aus Puerto Natales braucht gut zwei Stunden bis zum Anleger Pudeto, und kurz vor der Kontrollstelle Laguna Amarga schiebt sich das Massiv zum ersten Mal ganz ins Bild. Vom Anleger setzt der Katamaran in einer guten halben Stunde über den Lago Pehoé nach Paine Grande, und damit beginnt der westliche Arm der W-Route. In Paine Grande füllst du Wasser, ziehst eine Schicht aus und gehst weiter Richtung Eis. Der Weg zieht über offene Rücken, kaum Schatten, kaum Windschutz. Dafür liegen ab dem Mirador Lago Grey blaue Eisberge unter dir, die auf dem dunklen Ufer stranden. Am späten Nachmittag erreichst du das Refugio Grey oberhalb der Gletscherfront. Reine Gehzeit rund drei bis vier Stunden, je nachdem, wie oft du stehen bleibst.
Bus bis Pudeto, Katamaran bis Paine Grande, danach nur noch Füße. Von der Hütte zum Refugio Grey sind es rund elf Kilometer mit ein paar hundert Höhenmetern rauf und runter, ohne Abkürzung und ohne Straße. Der Mirador Lago Grey liegt direkt am Weg, du musst dafür keinen Umweg gehen.
Die Hütten auf der West- und auf der Ostseite gehören zwei verschiedenen Betreibern, gebucht wird getrennt, und beide sind früh voll. Bargeld hilft, Mobilfunk gibt es im Park praktisch nicht, und Kartenzahlung hängt am Satellitenempfang. Müll nimmst du komplett wieder mit, offenes Feuer ist im ganzen Park verboten. Nach den großen Bränden von 1985, 2005 und 2011, alle drei von Besuchern ausgelöst, wird das hier sehr ernst genommen.
Bus to Pudeto, Torres del Paine
Die tägliche Busverbindung von Puerto Natales in den Nationalpark, mit Halt an der Kontrollstelle Laguna Amarga und Endpunkt am Anleger Pudeto.
Pudeto to Paine Grande catamaran
Der Katamaran zwischen dem Anleger Pudeto und dem Refugio Paine Grande am Nordufer des Lago Pehoé.
Refugio Paine Grande
Die große Berghütte am Nordufer des Lago Pehoé, direkt unter dem Cerro Paine Grande und Ausgangspunkt für Glaciar Grey und Valle del Francés.
Mirador Lago Grey
Ein Aussichtspunkt über den Lago Grey auf der W-Route, mit Blick auf die Eisberge, die vom Glaciar Grey abbrechen.
Refugio Grey
Die Berghütte am Ostufer des Lago Grey, kurz unterhalb der Gletscherfront und letzter Stützpunkt vor dem Aufstieg zum Paso John Gardner.
Glaciar Grey
Schnee
Der Tag beginnt mit dem steilsten Stück der Woche. Vom Refugio Grey geht es nordwärts über Wurzeln und Fels hinauf, über drei Hängebrücken, die spürbar schwingen, und irgendwann liegt nicht mehr nur die Front unter dir, sondern die ganze Länge des Gletschers. Wer die große O-Runde läuft, steigt hier weiter zum Paso John Gardner. Für dich ist es ein Hin und Zurück. Gegen elf bist du zurück am Steg, Zeit für ein frühes Mittagessen und, wenn der Wind mitspielt, für eine Bootsfahrt oder Kajaktour zwischen den Eisbergen an der Gletscherfront. Am Nachmittag dieselben elf Kilometer zurück nach Paine Grande. Bergab liest sich das leichter, als es sich anfühlt, weil der Wind am Nachmittag auffrischt und auf dem offenen Rücken frontal kommt.
Alles zu Fuß und alles auf demselben Weg. Refugio Grey zum Mirador Grey und zurück dauert mit Pausen etwa drei Stunden. Die elf Kilometer nach Paine Grande brauchen je nach Wind dreieinhalb bis viereinhalb Stunden. Starte spätestens um halb drei, damit du im Hellen ankommst. Anfang September wird es kurz nach 19 Uhr dämmrig.
Der Grey ist ein Auslass des Campo de Hielo Sur, des südpatagonischen Inlandeises und der größten zusammenhängenden Eisfläche der Südhalbkugel außerhalb der Antarktis. Er zieht sich seit Jahrzehnten zurück, und als 2017 und 2019 große Stücke aus der Front brachen, war das im Park wochenlang Thema. Das Blau in den Eisbergen ist kein Trick des Lichts, sondern eine Frage der Dichte. Wo die Luft aus dem Eis gepresst wurde, schluckt es die roten Anteile des Lichts und lässt Blau übrig.
Mirador Grey & suspension bridges
Ein Aussichtspunkt nördlich des Refugio Grey auf dem Weg der O-Runde, erreichbar über mehrere Hängebrücken hoch über den Seitenschluchten.
Refugio Grey
Die Hütte am Lago Grey, von deren Steg die Boots- und Kajaktouren an die Gletscherfront starten.
Refugio Paine Grande
Der zentrale Stützpunkt am Lago Pehoé, an dem der westliche Arm der W-Route endet und der mittlere beginnt.
Valle del Frances
Schnee
Heute steht der mittlere Arm des W an, und viele halten ihn für den schönsten Abschnitt der Route. Von Paine Grande läufst du am Wasser entlang bis zum Campamento Italiano am Talausgang. Dort bleibt der schwere Rucksack zurück, und du steigst nur mit Wasser, Jacke und etwas zu essen ins Valle del Francés hinauf. Nach knapp einer Stunde erreichst du den Mirador Francés, gegenüber der Hängegletscher an der Ostflanke des Cerro Paine Grande. Bleib hier länger sitzen, als du geplant hast. Es lösen sich regelmäßig Lawinen, und der Knall kommt Sekunden nach dem Bild. Weiter oben öffnet sich das Tal zum Mirador Británico, einem fast geschlossenen Ring aus Granit. Danach zurück zum Rucksack und ein langer Quergang nach Osten am Nordufer des Lago Nordenskjöld bis zum Refugio Los Cuernos. Ein langer Tag, mit allem Drum und Dran zehn bis elf Stunden.
Paine Grande bis Campamento Italiano sind rund siebeneinhalb Kilometer am See entlang, gut zweieinhalb Stunden. Von dort bis zum Mirador Francés etwa eine Stunde steil bergauf, bis Británico noch einmal anderthalb. Der Rückweg ist derselbe Pfad. Von Italiano bis Los Cuernos rechnest du zweieinhalb Stunden am Ufer, mit ein paar kurzen Anstiegen über Geröll.
Die Cuernos sind das Wahrzeichen des Parks, und ihre Farbe erklärt die Geologie besser als jede Tafel. Der helle Sockel ist Granit, der vor rund zwölf Millionen Jahren als Schmelze in ältere Sedimentgesteine eindrang. Die dunklen Kappen sind der Rest dieses älteren Deckgebirges. Der Mirador Británico trägt seinen Namen von einer britischen Bergsteigerexpedition, die hier oben lagerte. Ringsum stehen Gipfel wie Aleta de Tiburón, Espada und Máscara, und die Namen erklären sich beim Hinsehen von selbst.
Campamento Italiano
Ein einfaches, kostenloses Camp der Nationalparkverwaltung CONAF am Eingang zum Valle del Francés.
Mirador Frances
Ein Aussichtspunkt im unteren Valle del Francés, gegenüber dem Hängegletscher an der Ostflanke des Cerro Paine Grande.
Mirador Britanico
Der Aussichtspunkt am Kopf des Valle del Francés, umgeben von den Cuernos, dem Cerro Paine Grande und einer Reihe scharfer Granitgipfel.
Refugio Los Cuernos
Eine Berghütte mit kleinen Holzhütten am Nordufer des Lago Nordenskjöld, unmittelbar unter den Cuernos del Paine.
Refugio Chileno
Schnee
Nach dem langen Vortag wird es ruhiger. Der Weg bleibt lange am Nordufer des Lago Nordenskjöld, mal über Geröll, mal durch niedrigen Lengabusch, das Massiv über der rechten Schulter. Der Mirador Lago Nordenskjöld am Vormittag ist einer der wenigen Punkte, an dem See und Cuernos zusammen ins Bild passen. Gegen Mittag erreichst du das Welcome Center von Hotel Las Torres, den östlichen Knotenpunkt mit richtigem Restaurant, Duschen und dem letzten verlässlichen Handyempfang. Nimm dort ein warmes Mittagessen, es ist die einzige echte Küche des Tages. Am Nachmittag zweigt der Weg ins Valle Ascencio ab und steigt zum Refugio Chileno. Der Anstieg ist kurz, aber zäh, weil der Wind im engen Tal beschleunigt.
Von Los Cuernos zum Welcome Center sind es etwa elf Kilometer, vier bis fünf Stunden, überwiegend flach mit ein paar Wellen. Vom Welcome Center hinauf nach Chileno rund fünfeinhalb Kilometer und knapp zwei Stunden, mit dem einzigen ernsthaften Anstieg gleich am Anfang. Für dieses Stück kannst du auch ein Pferd nehmen, die Estancia bietet Reit- und Gepäcktransport ins Tal an.
Der See trägt den Namen von Otto Nordenskjöld, einem schwedischen Geologen, der um 1900 in Südpatagonien forschte und später eine Antarktisexpedition leitete. Sein Türkis kommt von Gletschermehl, feinem Gesteinsstaub, den die Gletscher abreiben und der im Wasser in der Schwebe bleibt. Das Land rund um den östlichen Eingang war Schafestancia, bevor der Nationalpark 1959 entstand. Ein Teil der Hütten und der gesamte Reitbetrieb gehören bis heute zu diesem Familienbesitz.
Mirador Lago Nordenskjold
Ein Aussichtspunkt über den Lago Nordenskjöld auf dem Weg zwischen Los Cuernos und dem östlichen Eingang.
Hotel Las Torres welcome center
Das Besucherzentrum von Hotel Las Torres am östlichen Eingang zur W-Route und Ausgangspunkt für das Valle Ascencio.
Refugio Chileno
Eine kleine Berghütte im Valle Ascencio, etwa auf halbem Weg zwischen dem östlichen Eingang und dem Mirador Las Torres.
Mirador Las Torres
Niesel
Das ist der Tag, für den die ganze Woche gebaut ist. Aufstehen um vier, Stirnlampe an, im Dunkeln aus Chileno hinaus durch den Lengawald, bis der Weg in die Moräne kippt. Der letzte Kilometer ist ein Blockfeld, das jeden auf Kriechtempo bringt, egal wie fit. Oben liegt die Lagune, dahinter stehen Torre Norte, Torre Central und Torre Sur. Wenn das Wetter mitspielt, färbt das erste Licht den Granit für ein paar Minuten tiefrot, und dann ist es vorbei. Danach der lange Abstieg, erst zurück nach Chileno, dann durch das Valle Ascencio hinaus zum Hotel Las Torres. Dort endet das Trekking, mit heißer Dusche und den Türmen im Rücken.
Chileno bis zum Mirador Las Torres sind rund vier Kilometer mit etwa 400 Höhenmetern, im Dunkeln knapp zwei Stunden. Zurück nach Chileno etwa anderthalb, von dort hinunter zum Hotel Las Torres noch einmal zwei bis zweieinhalb. Alles auf demselben Weg, Abkürzungen gibt es nicht, und die Moräne ist bei Nässe rutschig.
Die drei Türme bestehen aus demselben Granit wie die Cuernos, rund zwölf Millionen Jahre alt. Die Gletscher haben das weichere Deckgestein abgetragen und die Säulen stehen lassen. Torre Sur ist mit gut 2.500 Metern die höchste der drei. Paine ist übrigens kein spanisches Wort, sondern kommt aus dem Tehuelche und bedeutet blau. Ausgesprochen wird es zweisilbig, pai-ne, nicht englisch.
Refugio Chileno
Die Hütte im Valle Ascencio, von der aus der letzte Aufstieg zum Mirador Las Torres startet.
Mirador Las Torres
Der Aussichtspunkt auf der Moräne über der Gletscherlagune am Fuß der drei Granittürme Torre Norte, Torre Central und Torre Sur.
Hotel Las Torres
Das Hotel am östlichen Eingang des Parks, auf dem Gelände der Estancia Cerro Paine und Endpunkt des klassischen W-Treks.
Puerto Natales
Teils bewölkt
Der letzte Tag ist ein langsames Ausrollen. Von der Ostseite fährst du über die Kontrollstelle Laguna Amarga aus dem Park, und die Steppe davor ist der beste Ort der ganzen Woche für Tiere. Guanakoherden stehen fast garantiert am Weg, Kondore kreisen über den Kuppen, und an der Laguna selbst stehen im Frühjahr Flamingos. Auf halbem Weg nach Puerto Natales liegt die Cueva del Milodón, eine ausgewaschene Höhle im Konglomeratfels, in der 1895 die Haut eines Riesenfaultiers gefunden wurde. Eine lebensgroße Nachbildung des Tieres steht heute gleich am Eingang. Danach noch einmal Costanera, Centolla am Wasser, und am Nachmittag der Bus nach Punta Arenas.
Vom Hotel Las Torres zur Kontrollstelle Laguna Amarga sind es sieben Kilometer Schotter, danach Asphalt nach Süden. Bis zur Cueva del Milodón rechnest du gut zwei Stunden, von der Höhle nach Puerto Natales noch rund 25 Kilometer, etwa eine halbe Stunde. Die Busse nach Punta Arenas fahren vom Terminal Rodoviario am Ortsrand. Von der Costanera dorthin sind es zu Fuß gut zwanzig Minuten, mit Gepäck lieber ein Taxi.
Die Cueva del Milodón ist seit 1968 Naturdenkmal, benannt nach dem Riesenfaultier Mylodon, das hier bis vor rund zehntausend Jahren lebte. Hermann Eberhard stieß 1895 auf ein Hautstück, das so gut erhalten war, dass in Europa kurz ernsthaft über lebende Exemplare spekuliert wurde. Bruce Chatwin beginnt sein Buch In Patagonien mit genau so einem Stück Haut, das bei seiner Großmutter im Schrank lag, und hat damit mehr Reisende hierhergebracht als jede Werbekampagne.
Laguna Amarga park exit
Die östliche Kontrollstelle des Nationalparks an der gleichnamigen Laguna Amarga, einem salzhaltigen Steppensee.
Cueva del Milodon
Eine riesige Höhle aus Konglomeratgestein nördlich von Puerto Natales, in der Überreste des ausgestorbenen Riesenfaultiers Mylodon gefunden wurden.
Costanera lunch, Puerto Natales
Die Restaurants an der Uferpromenade von Puerto Natales, bekannt für Centolla, die Königskrabbe aus den Kanälen der Region.
Bus to Punta Arenas
Die Rückfahrt von Puerto Natales nach Punta Arenas, der Regionalhauptstadt an der Magellanstraße, mit dem Flughafen PUQ.
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